Grundlagen

RingCT und FCMP++ einfach erklärt

Was es heute gibt, was sich ändern wird und warum das Moneros größtes Upgrade ist

Kurz gesagt

RingCT (heute): Dein echter Input versteckt sich unter 15 zufälligen Inputs anderer Leute. Beträge und Empfänger sind vollständig verborgen; der Sender ist „einer von 16“.

FCMP++ (bald): Dein echter Input versteckt sich unter allen Outputs, die je auf Monero erzeugt wurden. Decoys werden überflüssig, und die meisten Angriffe auf sie verschwinden.

Was RingCT genau verbirgt

RingCT ist keine einzelne Technologie, sondern ein Bündel aus dreien. Wichtig: Zwei der drei funktionieren schon heute hervorragend, und FCMP++ rührt sie kaum an:

FrageVerborgen durchWie gut
Wie viel?Pedersen-Commitments + Bulletproofs+Vollständig. Beträge sieht niemand außer den Beteiligten.
Wer hat empfangen?Einmal-AdressenVollständig. Deine Adresse gelangt nie auf die Blockchain.
Wer hat gesendet?Ringsignaturen (16 Mitglieder)Teilweise. „Einer von 16“ ist eine Wahrscheinlichkeit, und die lässt sich eingrenzen.

Das schwache Glied ist die dritte Zeile. Genau die ersetzt FCMP++.

Wie ein Ring funktioniert – die Intuition

Um eine Münze auszugeben, musst du beweisen, dass sie dir gehört. Monero sagt: „Zeig nicht, welche Münze deine ist. Nimm 15 andere Münzen aus der Blockchain und beweise, dass eine dieser 16 dir gehört.“

RingCT 1 echter + 15 Decoys FCMP++ 1 echter + ~jeder Output der Chain
Der orange Punkt ist der echte Output, der ausgegeben wird. Rechts sind es in Wirklichkeit mehr als hundert Millionen Punkte.

Deine Wallet wählt die Decoys zufällig, aber nicht gleichverteilt: Neuere Outputs werden öfter gewählt, weil Menschen meist frisches Geld ausgeben. Wären die Decoys gleichmäßig „alt“, würde der echte Input durch seine Jugend auffallen.

RingCT: Vor- und Nachteile

+ Stärken

  • Beträge und Empfänger sind vollständig und zuverlässig verborgen.
  • Privatsphäre ist für alle Transaktionen Pflicht – die Menge ist groß.
  • Über Jahre bewährte Kryptografie (CLSAG, Bulletproofs+), mit Audits.
  • Relativ kompakte Transaktionen (~1,5–2 KB für typische 2 Inputs/2 Outputs), die schnell geprüft werden.
  • Jede Transaktion für sich bietet glaubhafte Abstreitbarkeit: „Vielleicht war ich es gar nicht.“

− Schwächen

  • Die Anonymitätsmenge ist nur 16. Das ist wenig, wenn ein Gegner Kandidaten ausschließen kann.
  • Ausschlussangriffe: Weiß ein Gegner, dass ein Decoy in Wirklichkeit woanders ausgegeben wurde (oder ihm selbst gehört), schrumpft der Kreis.
  • EAE-Angriff: Eine Börse, die Geld „hin und zurück“ fließen sah, kann Input und Output mit hoher Wahrscheinlichkeit verknüpfen.
  • Flooding: Jemand erzeugt massenhaft eigene Outputs, die zu deinen Decoys werden – für ihn „leere“.
  • Fehler in der Decoy-Auswahl (die gab es schon) machen den echten Input statistisch sichtbar.
  • Viele Inputs in einer Transaktion (Konsolidierung) – eine sichtbare Verbindung zwischen Ringen.

Jede Schwäche wird ausführlich auf der Seite Schwächen von RingCT behandelt.

Was FCMP++ ändert

FCMP++ steht für Full-Chain Membership Proofs (Mitgliedschaftsbeweise über die ganze Chain). Das „Plus-Plus“ kommt daher, dass zum Mitgliedschaftsbeweis noch etwas hinzukommt (siehe unten).

Die Idee: Statt „mein Output ist einer dieser 16“ beweist eine Transaktion „mein Output ist einer von allen Outputs auf der Blockchain“ – ohne sie aufzulisten. Wie, bei über hundert Millionen Outputs? Alle Outputs werden in einem speziellen Baum gesammelt (ähnlich einem Merkle-Baum – ein Curve Tree) mit einer einzigen Wurzel. Die Transaktion beweist ohne Preisgabe von Wissen (Zero Knowledge): „Ich kenne einen Pfad von einem Blatt zu dieser Wurzel, und ich habe den Schlüssel zu diesem Blatt.“

Vergleich

RingCT: „Das Geld hat eine dieser 16 Personen im Raum gegeben.“ Ein Ermittler kann sie einzeln befragen und die mit Alibi streichen.

FCMP++: „Das Geld hat jemand gegeben, der im Land lebt.“ Leute zu streichen ist sinnlos.

Was mit FCMP++ noch kommt

  • Keine Decoys, keine Decoy-Probleme. Flooding, EAE-Angriffe und Statistiken über das Input-Alter verlieren praktisch ihre Bedeutung.
  • Forward Secrecy. Sollte eines Tages ein Quantencomputer auftauchen, der elliptische Kurven brechen kann, könnte er neue Transaktionen fälschen, aber nicht rückwirkend aufdecken, welche Outputs in alten FCMP++-Transaktionen ausgegeben wurden (solange die Adresse des Empfängers nicht öffentlich war). Das gilt für Outputs, die nach dem Umstieg erzeugt werden; alte RingCT-Outputs bekommen diesen Schutz nicht.
  • Ein neues Adressschema, Carrot: Alte Adressen funktionieren weiter, aber es kommen neue Schlüsseltypen hinzu – zum Beispiel ein Schlüssel, der eingehende und ausgehende Zahlungen sieht (eine ehrliche View-only-Wallet), ohne das Recht zum Ausgeben.
  • Grundlagen für die Zukunft: einfacheres Multisig, Transaktionen, die man im Voraus signieren kann.

FCMP++: Vor- und Nachteile

+ Vorteile

  • Die Anonymitätsmenge ist die ganze Blockchain (Größenordnungen mehr als 16).
  • Angriffe über Decoys verschwinden.
  • Quanten-Forward-Secrecy für die Ausgabehistorie.
  • Bessere View-only-Wallets und Trennung von Berechtigungen (Carrot).
  • Bestehende Adressen und Seed-Phrasen funktionieren weiter.

− Nachteile und Kosten

  • Transaktionen sind größer und langsamer zu prüfen als bei RingCT (besonders mit vielen Inputs).
  • Neue, komplexe Kryptografie: neue Kurven (Helios/Selene), neue Beweise. Audits sind nötig; Fehler sind teurer.
  • Eine Transaktion zu bauen ist für schwache Geräte und Hardware-Wallets aufwendiger.
  • Nodes müssen einen Baum aller Outputs pflegen.
  • Löst keine Probleme außerhalb der Chain: IP-Adressen, Metadaten, Nutzerverhalten.

Was ändert sich für normale Nutzer?

Fast nichts Sichtbares. Nach dem Hard Fork erzeugen Wallets den neuen Transaktionstyp. Deine Seed-Phrase und deine Adressen funktionieren weiter. Die Gebühren können wegen der Transaktionsgröße etwas steigen. Alte Münzen lassen sich ausgeben – und bekommen ebenfalls „die ganze Blockchain“ als Anonymitätsmenge.

Wann?

FCMP++ erfordert einen Hard Fork. Stand November 2026 ist es im Mainnet noch nicht aktiv: Öffentliche Tests laufen, und ein unverbindlicher Planentwurf peilt die Aktivierung Anfang 2027 an. Mehr unter Umstieg auf FCMP++.

Wie geht es weiter?